Aktuelles
Derzeit laufen die Frühjahrsvorbereitungen auf vollen Touren. Führungen können wie bisher auch für kurzfristige Termine angemeldet werden.
Das Jahr 2012 steht unter dem 100. Jahrestag der Errichtung des ersten Windkraftwerkes in Marzahn durch Maximilian Georg Triller.
Ein Fundamentblock dieser Anlage konnte geborgen werden und ist heute Teil des kleinen Monumentes auf dem Plateau.
Künftig sollen die Flügel auch wieder zu Demonstrationszwecken Strom erzeugen. Ein Teil der Anlage ist fertig gestellt, derzeit wird ein kleiner Generator gesucht.
Ein weiteres Vorhaben ist der Bau einer Handstrommühle,die in der Mühlenhütte Platz finden soll.
Sie soll durch die Schüler selbst per Handarbeit angetrieben werden und das Verhältnis von Kraftaufwand zum Ergebnis in Gestalt erzeugten Lichtes verdeutlichen.
Aufgrund der herrschenden Minusgrade sind derzeit nur kurze Führungen (ca. halbe Stunde) in der unbeheizten Mühle möglich.
Die neuen Hochzeitstermine sind da!
In dieser Saison stehen für Ihre Trauung zur Verfügung:
Freitag: 27.April, 1.Juni, 6.Juli, 17.August, 21.September sowie die Samstage: 26.Mai und 1.September.
Eine Trauung dauert eine Stunde. Die Zeiten sind in der Regel: 10,11,12,13,14,15.00 Uhr
Nach wie vor werden Führungsanmeldungen entgegen genommen.
Von Anfang April an bis zu den Sommerferien im Juni hat
die Mühle sonntags von 15-17 Uhr ohne Anmeldung für Sie geöffnet.
Die kombinierten Mühlen- und Backveranstaltungen "Vom Korn zum Keks" finden unter der Woche von 9.30-11.30 Uhr statt, können
aber auch terminlich an Ihre Wünsche angepaßt werden.
Heiraten in der Mühle
Am 11. Juli 1997 wurde die Marzahner Mühle mit der ersten Mühlenhochzeit in Berlin-Brandenburg zur Außenstelle des Marzahn-Hellersdorfer
Standesamtes erhoben. Etliche Mühlen in unserer Region haben inzwischen nachgezogen.
Für Trauungen mit abweichendem Terminwunsch bitten wir Sie, sich unter Tel: 030 90293 2170 mit dem Standesamt Marzahn-Hellersdorf
in Verbindung zu setzen.
Geschichte einer märkischen Windmühle
Über 195 Jahre Mühlen in Marzahn bedeuten vor allem einen ständigen Kampf der Mühlenbesitzer und Betreiber um ihr wirtschaftliches und
gesellschaftliches Überleben. Aber nicht nur das, steht doch die Existenzberechtigung der kleinen Mühlen seit der Erfindung der
"amerikanischen Mill", dem ersten automatischen Betrieb vor 200 Jahren überhaupt zur Disposition. In den deutschen Ländern machten sich
diese Prozesse und die sie begleitenden sozialen und strukturellen Veränderungen erst später bemerkbar.
Die erste Nennung einer Mühle in Marzahn datiert vom 24.Mai 1815 nach der Einführung der damals modernen Gewerbefreiheit in Preußen im Jahre 1810.
Die ersten Generations- und Besitzerwechsel sind wie andernorts auch von großen Schwierigkeiten, Hypotheken, Umschuldungsverhandlungen etc.
gekennzeichnet. Die Lebensbedingungen waren extrem hart. Wer würde denn heute nur für Kost und Logis arbeiten? Sind für uns diese Verhältnisse
nachvollziehbar, wenn im Jahre 1825 anlässlich einer aus Mangel an verwertbarer Masse gescheiterten Pfändung Folgendes berichtet wird: Nur
der Müllermeister hatte ein eigenes Bett, Frau und Magd schliefen in einem Bett und Müllerbursche und Müllers Sohn in der nur mit einem kleinen
Ofen beheizbaren Feise auf der Mühle. Wenige Jahre (1852) später werden für Brandenburg: Über 3000 Mühlen gezählt.
Im Einzelnen:
- 1141 Getreide- Wassermühlen
- 2198 Bockwindmühlen
- 139 Holländer Getreidemühlen
- 178 Tiermühlen
- 57 Dampf-Getreidemühlen
Im Deutschen Reich gab es um 1870 66 000 Mühlen, davon 25000 Windmühlen, kurze Zeit später erbaute der Berliner Mehlhändler und Müller J. J.
Groh die zweite Mühle im Dorfe (als Nachfolgerin der ersten Mühle).
1910: 3000 Windmühlen
Später übernahm ein Zweig der ursprünglich aus Böhmen nach Reinickendorf zugezogenen Familie Jelinek (Hirschlein; Hirschel) den Mühlenbetrieb
mit diversen Schulden, musste aber 1899 nach einer Zwangsvollstreckung an Familie Triller abgeben. Die Umsetzung einer einer 1791 in Bernau
erbaute Mühle durch Maximilian Georg Triller war ein nicht unüblicher Vorgang, denn eine Mühle war damals durchaus noch ein Wertgegenstand und
billiger als ein Neubau.
Mit den Windkraftexperimenten der Trillers begann ein neues großes Zeitalter der Innovation in Marzahn, führende Windkrafttechniker wie Kurt
Bilau hatten daran Anteil.
Zu dieser Zeit, also um 1925 wurden in der Mühlenindustrie insgesamt 79716 hauptberuflich Erwerbstätige gezählt, darunter 17174 Selbständige.
Die neue große Rationalisierungswelle nach dem I. Weltkrieg hatte da schon viele Mühlen weggefegt, um 1933 zählte man noch 33 000 Bauwerke.
Bis 1943/44 erfolgte dann der Bau des zweiten Windkraftwerkes an der Mühle. Das Neuartige an dieser Anlage war der später patentierte Verbundbetrieb
zwischen Windkraftanlage, Stromnetz mit Batterie und Mühle. Das Windkraftwerk Triller, das zugleich die offizielle Versuchsanlage der
Reichsarbeitsgemeinschaft "Windkraft" war, gilt als das erste Bodenwindkraftwerk (Kleinanlage), mit dem der Versuch zur Einspeisung von
Drehstrom von einem Asynchrongenerator in ein Drehstromnetz mit vollem Erfolg gelungen ist. Nach dem Kriege versorgte das unversehrt gebliebene
Windkraftwerk sogar das Dorf bzw. die sowjetische Kommandantur mit Strom. Meister Triller konnte später die Mühle massiv ummauern und mit
einem damals modernen Mahlwerk ausstatten. Die Mühle war bis zu seinem Tode 1957 in Betrieb.
Im Jahre 1978 verschwand mit der Sprengung die Mühle aus dem Dorfe.
Ab 1982 gab es viele Bemühungen, wieder eine Mühle, diesmal als Holländermühle mit Gastätte, im zu rekonstruierenden Dorfe aufzubauen. Eine
wirtschaftliche Bedeutung wurde nicht angestrebt, dafür sollte sie als Lebendiges Museum und somit als Bildungsstätte dienen.
Doch die Mühleaktivisten, obwohl von Staats wegen beauftragt, hatten gegen viele Widerstände zu kämpfen. So wollte niemand eine Mühle
aus der DDR nach Berlin verkaufen, "Keine Mühle für Berlin!" war die Devise.
Das war eine Quittung flür das planmässige Abziehen von Baukapazitäten und allgemeinen Versorgungsleistungen aus der Republik in die Hauptstadt.
Kurz nach dem glücklichen Erwerb der Bockwindmühle Luckow (22.er Anlauf zum Mühlenkauf)durch Friedhelm Nicks für das damalige Märkische Museum kam die Wende in der DDR.Damit veränderte sich
die gesamte Basis für das Mühlenprojekt.
Der leidenschaftliche Kampf vieler Mühlenfreunde führte schließlich in den Jahren 1993/94 zum Neubau der nunmehr vierten Bockwindmühle am dritten Standort in
Marzahn.
Zu dieser Zeit waren die Meinungen zur Mühle in der politischen Landschaft des Bezirkes Marzahn durchaus geteilt, denn immer wieder gab es ja
Fälle von Mühlensanierungen, die aufgrund mangelnder Nutzung wieder zugrunde gingen.
Die wichtigste Aufgabe war für den Müller ab 1993, die gewissermaßen leere Hülle mit einem baulichen und vor allem inhaltlichen Innenleben zu
erfüllen, die Aufgabe "Bildungsstätte" nicht nur für Kinder über unseren inzwischen fast ausgestorbenen Müllerberuf und unsere ganze Ernährung
zum Daseinszweck für das Bauwerk zu machen.
Das Besondere an diesem neuen Mühlenplatz war die wohl einzigartige Chance, ohne Einschränkungen durch eine vorhandene historische Substanz und
einengende Vorgaben meiner Vorgesetzten etwas ganz Neues auszuprobieren, mit historischer Technologie etwas Praktisches für die Zukunft unserer
Jugend. Die moderne Mühlenindustrie kann diese Arbeit nur eingeschränkt leisten, weil sie kaum noch in der Fläche im Land vorhanden ist und fast personalfrei arbeitet.
Dieser lange Umbauprozess, in dem aus Kinderkrankheiten der Mühle durch gemeinsame, geduldige Arbeit ihre Stärken wurden, ist heute nach 18
Betriebsjahren weitgehend abgeschlossen. Es gab auf diesem Wege, an dem die Elektrifizierung der Mühle, der Neubau ihrer Flügel und der gesamten
Vermahlungstechnik lagen, nicht nur durch die Sturmschäden so manche kritische Situation.
Die Hochzeitstreppe, unser Geschenk zum 30.Jährigen Bezirksjubiläum, ist seit dem 12. Mai 2009 fertig gestellt und erblüht nun im Weiß der Rosen hinter dem Hochzeitsportal, erbaut im Frühjahr 2010.
Der Mahlbetrieb
Wir mahlen wie gewohnt für die UFA Bäckerei Tempelhof
Weizenvollkornmehl.