Thema Müllerei
Vom Korn zum Brot, Wissenswertes über Mühlen und Müller!
Kurze Einführung in die Verarbeitung von Getreide.
Auf dem Feld
Vor der Mühle: Die Arbeit des Bauern
Die Brotfrüchte, also die bei uns gebräuchlichen Getreidearten Weizen, Roggen,
Gerste und Hafer sind wahrscheinlich durch Kultur aus Wiesengräsern hervorgegangen.
| Roggen |
Weizen |
Wintergerste |
Hafer |
 |
 |
 |
 |
Die Entstehung der Getreidepflanze beginnt nach der Aussaat, wenn es geregnet hat.
Im Keimling wird eine komplizierte chemische Reaktion ausgelöst und der Wachstumsprozeß
wird mit dem Abbau des Mehlkerns eingeleitet. Die ersten sichtbaren Zeichen des Wachstums
nennt man die Keimung.
Die Wurzeln verteilen sich im Erdreich, während der Blattkeim seinen Weg zum Licht sucht.
Wenn die Nährstoffe des Keims verbraucht sind, ist die junge Pflanze soweit lebensfähig,
daß sie ihren weiteren Aufbau unter Zuhilfenahme von Sonnenlicht, Nährstoffen und Wasser
selbst bewerkstelligen kann.
Es bilden sich Blätter und Stengel(Halm), bald fängt sie an zu schossen und zu blühen.
Die aus Staub- und Fruchtblättern bestehenden Blüten müssen sich erst gegenseitig
befruchten, wenn es Ertrag geben soll.
| Roggen |
Weizen |
Wintergerste |
Hafer |
 |
 |
 |
 |
In feuchten Erntejahren kommt es vor, daß das reife Korn bereits auf dem Halm zu keimen beginnt.
Dieser Vorgang wird als Auswuchs bezeichnet, er schädigt vor allem die Backeigenschaften.
Das Getreide ist in seiner Mahl- und Backfähigkeit auch von der Bodenqualität des jeweiligen
Ackers und vom Witterungsverlauf des Vegetationsjahres abhängig. Sorteneigenschaften und Einflüsse
der Lagerung wirken sich ebenfalls auf die Mehlqualität aus.
Die Lagerung im Speicher
Auch das im Speicher eingelagerte Korn ist lebendig.
Bei zu warmer und zu feuchter Lagerung (nicht über 14% Kornfeuchte!) entstehen ganz erhebliche
Mengenverluste und Schädigungen der Getreidequalität.
Zur Bewahrung der Lagerfähigkeit und der Backfähigkeit wird das Getreide im Speicher zumindest
einmal im Monat bewegt. Das Getreide wird heute mit Hilfe des im Silospeicher vorhandenen mechanischen
Fördersystems von einer Zelle in eine andere leere Zelle umgelagert und dabei mit Hilfe des
Aspirateurs (Siebsichters) mit Sieben und maschinell erzeugtem Luftstrom entstaubt und belüftet.
Heute wird auch in die speziell konstruierten Silozellen trockene Luft eingeblasen.
Die Reinigung, das Herz der Mühle
Die Mühle kauft vom Bauern bzw. vom Speicherbetrieb das für die Vermahlung benötigte
Getreide auf Vorrat und lagert es im sog. Mühlensilo ein, der sich von den Großspeichern
durch sein geringeres Fassungsvermögen und durch seine feiner arbeitende Reinigungstechnologie
unterscheidet.
Vor der eigentlichen Vermahlung muß das Getreide gereinigt werden.
Der Mähdrescher des Bauern führt nur eine erste grobe Trennung von Korn und Spreu durch.
Bei der Ernte werden auch Grasteile, Unkrautsämereien usw. erfaßt. Steine, Eisen und sonstige
Feststoffe gelangen bei der Ernte und auf dem Weg in den Speicher sowie zur Mühle in das Getreide.
Manchmal sind auch Getreidearten untereinander vermischt. Diese unerwünschten Begleitsubstanzen nennt
man den Besatz, der den Wert einer Partie Getreide ganz entscheidend schmälern kann.
Es werden folgende Bestandteile entfernt:
Die Schwarzreinigung (benannt nach der Farbe des anfallenden Staubes)
Spreu (Aspirateur- Siebsichter) |
Steine (Aspirateur- Siebsichter) |
Sand (Aspirateur- Siebsichter) |
|---|
 |
 |
 |
| Eisen(Magnet) |
Rundkorn (Rundkorntrieur - Formausleser) |
Mutterkorn (Langkorntrieur - Formausleser)
|
 |
 |
 |
Die Weißreinigung, Schälmüllerei
Hier wird mit Hilfe der Schälmaschine die anhaftende Holzfaserschicht sowie beim Roggen
der Keimling entfernt. Als Werkzeug dazu dient eine sehr schnell drehende Schlägertrommel,
die in einem feststehenden Gehäuse arbeitet und das Getreide gegen die innere, mit
Schmirgelmasse belegte Oberfläche schleudert. Der Schälstaub wird abgesaugt und im
Filter abgeschieden. Weizen und Roggen sind "Nacktgetreidearten", d.h. die äußere
Schale wird bei der Ernte durch den Bauern im Mähdrescher entfernt und bildet die Spreu.
Im Unterschied dazu gehören die Gerste und der Hafer zu den "Spelzgetreidearten".
Für die Schälmüllerei, also u.a. die Herstellung von Graupen aus Gerste, muß
die bei dieser Getreideart fest mit dem Korn verwachsene äußere Schale entfernt werden.
Zu diesem Zwecke kann man mit einer normalen Schälmaschine das Korn mehrfach intensiv schälen
oder man verwendet einen besonderen Schälgang, der die Körner mit speziell ausgebildeten
Reibflächen über eine bestimmte, einstellbare Schäldauer bearbeitet. Da ein nicht zu
vermeidender Anteil an Körnerbruch hierbei entsteht, ist eine nachfolgende Sortierung besonders
wichtig. Dazu kann eine spezielle Sortiermaschine, die ähnlich wie ein Aspirateur arbeitet
und mit einem Rundlochsieb versehen ist, eingesetzt werden.
Die Vermahlung
Die Vermahlung erfolgt prinzipiell mit den Verfahren Zerkleinern(Mahlen), Absieben(Sichten) und
Mischen der verschiedenen Zwischenprodukte.
Das Mahlen geschieht heute auf Walzenstühlen, in denen das Getreidekorn zerschnitten und
zerrieben wird.
Zum besseren Verständnis der Zielstellung dieser Technologie wird der Aufbau des Getreidekorns gezeigt:
Kernsatz für eine fast 200 Jahre alte, bis heute gültige Technologie:
Durch mehrfaches, zielgerichtetes Vermahlen und Sichten( Sieben) von Produkten gleicher Korngröße
und gleicher Struktur kann aus dem Rohstoff Getreide mit seine schwankenden Eigenschaften ein wunschgerechtes
Produkt mit annähernd gleichbleibenden Backeigenschaften ohne den Einsatz von Chemie hergestellt werden.
Die Mehlanteile werden durch entsprechend feine Siebe nach jedem Durchgang abgetrennt. Die Maschine dafür
ist heute der Plansichter, ein mit vielen Sieben bestückter großer Apparat, dem Handsieb ähnlich.
Im Prinzip geht es darum, Produkte annähernd gleicher Korngröße und Struktur heraus zu sortieren
und gemeinsam zu vermahlen.
Die Maschinen eines Durchganges (Passage) unterscheiden sich in speziellen Parametern voneinander. Bei jeder
Passage wird das Mehl abgesichtet.
Die "Passagenmehle" unterscheiden sich voneinander durch Schalenanteile und Feinkörnigkeit der Mehlteilchen.
Sie werden in der Mehlmischmaschine zielgerichtet zum Endprodukt zusammen gemischt. Griffige Mehle sind relativ
grob und werden speziell für Teigwaren verwendet.
Der Kontrollmaßstab für diesen dritten Arbeitsgang ist die Bestimmung der Mehlfarbe bzw. des
Aschegehaltes durch Verbrennen einer Mehlprobe im Mühlenlabor. Mehlfarbe und Aschegehalt stehen in Zusammenhang.
Der anfallende "Rest" , die Schale, gelangt als Kleie in den Viehmagen, der Weizenkeim z.B. in die Herstellung
spezieller Medikamente.
Überblick über die Mahlverfahren
Flachmüllerei bedeutet, mit wenigen Durchgängen (3-4 ) das Getreide schnellstens zu Mehl
zu vermahlen und Schrote und Grieße gemeinsam zu vermahlen. So wurde vor allem Roggen verarbeitet, die
Qualität oder aber zumindest die Ausbeute der erzeugten Mehle genügt nur bescheidenen Ansprüchen.
Hochmüllerei hingegen umfaßt die ausgedehnte Vermahlung mit bis zu 30 Durchgängen
bei Weizen, die Arbeit mit Grießputzmaschinen und anderes mehr. Es ist eine hohe Qualität der erzeugten
weißen Mehle möglich. Das Verfahren wird heute überwiegend bei Hartweizenmühlen angewandt,
für die es in Österreich- Ungarn auch seinerzeit vorrangig entwickelt wurde.
Das (deutsche) Halbhochmahlverfahren ist eine Kreuzung der beiden vorgenannten Verfahren. Es trägt
den Sorteneigenschaften der weicheren deutschen Weizensorten Rechnung und ist vor allem für die Mehlproduktion bestimmt.
Kombinierte Mühlen verarbeiten Roggen und Weizen auf einem gemeinsamen Mahlsystem. Diese Mühlen
stellen stets einen Kompromiß zwischen Flachmahl- und Halbhochmahlverfahren dar.
Bei größeren Mühlen wird im automatischen Durchgang gearbeitet. Das bedeutet, dass jede Mahlmaschine
bzw. Passage nur einmal benutzt wird. Der Lauf der Produkte wird durch Klappeneinstellung vorgegeben, um bestimmte
Qualitätsschwankungen zielgerichtet auffangen zu können.
Die Graupen- oder Schälmühle ist eine eigenständige Mühlenart für die Verarbeitung von Gerste.
Graupen sind praktisch der weißgeschälte Mehlkörper der Wintergerste.
Eine weitere Schälmühle befaßt sich mit der Verarbeitung von Hafer. Auch dieser ist ein Spelzgetreide,
dass im Rahmen der Verarbeitung noch zusätzlich einer Wärmebehandlung unterzogen werden muß. Die
Haferprodukte (Haferflocken und - mark) haben seit langem ihren Platz in der Ernährung von Säuglingen und
Kleinkindern gefunden.
Produkte der Weizenvermahlung auf Mühlsteinen Marzahner Mühle
Das Vermahlen erfolgt in mehreren Durchgängen:
| |
Ausgangsprodukt Weizen |
|
| |
 |
|
| Schrot |
Feinschrot |
Grieß |
 |
 |
 |
| Schrotmehl |
Griffiges Mehl |
Feinmehl |
 |
 |
 |
usw. bis maximal zum 10. Durchgang; es verbleiben: Mehl, feine und grobe Kleie
Das Brot
Die Bäckerei
Für die Herstellung verschiedener Backwaren benötigt die Bäckerei auch
verschiedene Mehle, die heute unter dem Begriff der Mehltypen produziert und verkauft werden.
Die Mehltype nach DIN- Norm ist ein im Labor exakt bestimmbares Maß für den
Mineralstoffanteil im Mehl. Mehle mit hohem Mineralstoffanteil enthalten viel Schale, sind
daher auch dunkler.
Beispiele:
- Weizenmehl Type 405 für Kuchen und Feingebäck, (das hellste Mehl, besteht fast nur aus dem Mehlkörper)
- Weizenmehl Type 1050 für Weißbrot, enthält schon einen höheren Schalenanteil
- Roggenmehl Type 1150 für Roggen- und Mischbrot, enthält ebenfalls einen höheren Schalenanteil
Angesichts der riesigen Vielfalt unserer heutigen Backerzeugnisse ist es schon erstaunlich, dass das Rezept
für den einfachen Brot- oder Brötchenteig über die Jahrhunderte nahezu gleich geblieben ist.
Mehl, Wasser, Sauerteig (bei Roggen), oder Hefe (bei Weizen) und Salz. Diese Zutaten werden vom Bäcker in
einem genau festgelegten Mengenverhältnis in die Teigknetmaschinen gegeben und zu einem Teig verknetet.
| Roggenmehlteig |
|
Weizenmehlteig |
| (Sauerteig) |
|
(Hefeteig) |
 |
|
 |
Hefe und Sauerteig bewirken durch die Atmungstätigkeit der in ihnen enthaltenen Hefen und Bakterien
die Auflockerung des Teiges. Vor der weiteren Verarbeitung findet die als " Teigruhe" bezeichnete Liegezeit
statt, in der die beim Kneten begonnenen Teigbildungs- und Quellvorgänge sich fortsetzen.
Anschließend wird der Teig zu den künftigen Broten oder Brötchen ausgewogen, geformt und
gewirkt, so dass eine gleichmäßige Teigstruktur entsteht. Daran schließt sich die "Stückgare"
an, eine Ruhezeit, in der die Teigstücke durch die abschließende Gärung der Hefen ihre volle
Auflockerung bekommen.
Danach wird im Ofen je nach Brotsorte bei verschieden hoher Temperatur gebacken. Durch die hohen Temperaturen
bilden sich aus Stärke und Eiweiß des Mehles Dextrine, Röst- und Karamellstoffe, die Kruste,
die dem Gebäck seinen Geschmack gibt
| Roggenvollkornbrot |
Weißbrot |
Landbrot
|
| |
|
(Roggen- Weizenmischbrot) |
 |
 |
 |